(Blankenhain) Zu einer besonderen Zeitreise lud die Blankenhainer Stadtbibliothek am Montagabend in das hiesige Schloss ein. Ab 19:00 Uhr stand ein Thema im Mittelpunkt, das Generationen geprägt hat und derzeit wieder intensiv diskutiert wird: Die Darstellung der nordamerikanischen Ureinwohner im Film.

Ein Experte aus der Nachbarschaft
Zu Gast war der Fachbuchautor Stefan Wogawa, der als einer der führenden Experten für das Genre der DEFA-Indianerfilme gilt. Wogawa, der im Blankenhainer Ortsteil Schwarza zu Hause ist, beleuchtete in seinem Vortrag die tiefgreifenden Unterschiede zwischen den westdeutschen Karl-May-Verfilmungen und den Produktionen aus dem Osten Deutschlands. Während die Winnetou-Filme eher als „Märchenfilme“ ohne realhistorischen Hintergrund zu betrachten seien, zeichneten sich die DEFA-Filme durch eine Erzählweise aus der Perspektive der Indigenen selbst aus.

Besonders spannend für das lokale Publikum war der Bericht über Drehorte direkt vor der Haustür. Neben der Sächsischen Schweiz und Potsdam dienten auch Thüringer Kulissen, wie etwa eine Furt bei Saalfeld, als Schauplätze für die Abenteuer von Gojko Mitić.

Debatte um Begrifflichkeiten
Gleich zu Beginn ging Wogawa auf die aktuelle Sprachdebatte ein. Er erklärte den interessierten Gästen, warum er bewusst am Begriff „Indianer“ festhalte. Er lasse sich ungern von Menschen belehren, die sich nie mit der realen Situation in Nordamerika befasst hätten. Für ihn sei ausschlaggebend, dass sich viele der Betroffenen in den USA und Kanada selbst als „Indians“ bezeichnen würden.

Ein Lebenswerk in Büchern
Wogawas Leidenschaft begann bereits in der Kindheit im Kino. Später bereiste er historische Schauplätze in den USA und Kanada und interviewte Schauspieler. Sein „Lexikon der DEFA-Indianerfilme“ gilt heute als Standardwerk des Genres. Doch die Arbeit geht weiter: Aktuell schreibt der Autor aus Schwarza an einem vierten Buch über den historischen Häuptling „Crazy Horse“, der als Nebenfigur in zwei DEFA-Filmen auftauchte. Das Werk soll erneut die historische Biografie mit der filmischen Umsetzung verknüpfen.

Die Veranstaltung stieß auf große Resonanz, und das Publikum beteiligte sich lebhaft an der anschließenden Diskussion mit dem lokalen Experten.