Beeindruckendes Ausbildungstraining im Dambachsgrund zwischen Bad Berka und Blankenhain: Einsatzkräfte und Tierärztin üben mit dem 250-Kilo-Pferdedummy „Pedro“ den Ernstfall unter realistischen Bedingungen.
(Bad Berka) Wenn die Leitstelle die Feuerwehr mit dem Stichwort „Tierrettung“ alarmiert, ist es längst nicht mehr nur die sprichwörtliche Katze auf dem Baum. Die Zahl der Einsätze, bei denen verunglückte Großtiere wie Pferde oder Rinder aus gefährlichen Notlagen befreit werden müssen, steigt seit Jahren an.
Um für diese hochgefährlichen und psychisch wie physisch anspruchsvollen Situationen perfekt gewappnet zu sein, absolvierten die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Berka am Samstag gemeinsam mit einer lokalen Tierärztin ein intensives, ganztägiges Spezialtraining. Unter dem Leitmotiv „Menschen schützen, Tiere schonen, Werte erhalten“ stand der Tag ganz im Zeichen der zertifizierten Technischen Großtierrettung.
Gefahrenzone Großtier: Warum Improvisation lebensgefährlich ist
Egal ob ein Pferd in einen tiefen Graben rutscht, ein Viehtransporter in einen Verkehrsunfall verwickelt wird oder eine Kuh in eine Güllegrube stürzt – die Retter stehen jedes Mal vor einer unberechenbaren Herausforderung. „Ein gestresstes Großtier nimmt seine Umwelt völlig anders wahr als wir Menschen und kann schlagartig unvorhersehbar reagieren“, erklären Nora Hoffmann und Bianca Brehm, autorisierte Trainerinnen des spezialisierten Ausbildungsunternehmens ComCavalo.
Wo früher mangels Fachwissen oft riskanterweise improvisiert wurde – was nicht selten zu schweren Verletzungen bei den Rettern und massiven Traumata bei den Tieren führte – , setzt die moderne Großtierrettung auf striktes Sicherheits- und Personenmanagement. Nicht selten bringen sich auch besorgte Tierbesitzer bei Rettungsversuchen selbst in akute Lebensgefahr.
250 Kilogramm Geduld: Pferdedummy „Pedro“ im Dauereinsatz
Nach einem zweistündigen Theorie-Seminar inklusive der Analyse internationaler Einsatzvideos am Vormittag ging es für die Bad Berkaer Kameraden direkt ins unwegsame Praxisgelände. Als Hauptdarsteller fungierte dabei ein ganz besonderer Gast: „Pedro“, ein professioneller, lebensgroßer Pferdedummy.
Mit einem Gewicht von rund 250 Kilogramm und voll beweglichen Gelenken simuliert Pedro das lebendige Vorbild täuschend echt. Sein unschätzbarer Vorteil beim Training: Er lässt alle Manöver und auch die Fehler, die im Lehrgang ausdrücklich gemacht werden dürfen, völlig geduldig über sich ergehen.
Dabei galt es verschiedene Situationen zu bewältigen. Pedro lag eingeklemmt im dichten Unterholz, musste aus einem verunfallten Pferdeanhänger manövriert oder per Hebegeschirr gesichert werden.
Als härteste Nuss des Tages entpuppte sich jedoch ein ganz anderes Element, wie Übungsleiter André Mischok von der Feuerwehr Bad Berka nach dem Training sichtlich beeindruckt zusammenfasste: „Das war wirklich sehr interessant zu beüben, weil das für uns ja keine alltägliche Arbeit ist. Die schwierigste Herausforderung für das Team war es heute definitiv, das Pferd aus dem unwegsamen Bachlauf zu retten.“
Spezialwerkzeug und tierärztliche Hand in Hand
Bei den Übungen kam Spezialwerkzeug zum Einsatz, das mittlerweile internationaler Rettungsstandard ist. Diese Hebebänder und Führungsstangen ermöglichen es den Feuerwehrleuten, Schlingen und Gurte so um das Tier zu legen, dass sie dem Gefahrenbereich von Hufen und Kopf nicht zu nahe kommen müssen.
Ebenso entscheidend war die reibungslose Zusammenarbeit mit der anwesenden Veterinärmedizinerin. Im Ernstfall muss ein verunglücktes Großtier fast immer zuerst fachgerecht sediert werden, um die Situation zu beruhigen, den Fluchtinstinkt zu hemmen und eine Eigenverletzung des Tieres zu verhindern.
Für die Feuerwehr Bad Berka war dieser intensive Trainingstag bei schweißtreibende Temperaturen um 40 Grad eine wertvolle Investition in die Sicherheit der Region. Denn wenn künftig ein Vierbeiner in Not gerät, sitzt jeder Handgriff der Kameraden – zum Schutz von Mensch und Tier.






















