Gewaltige Fallwinde fegen ein Reithallendach über das Dorf, töten Tiere und legen die Infrastruktur lahm – Einwohner packen noch am Abend gemeinsam an.
(Thangelstedt / Blankenhain) Was der Blankenhainer Ortsteil Thangelstedt im südlichen Weimarer Land am Montagnachmittag erlebte, haben selbst die ältesten Dorfbewohner noch nicht gesehen. Gegen 17:30 Uhr zog eine extrem lokale Unwetterzelle über die kleine Ortschaft hinweg. Binnen weniger Minuten richteten gewaltige Fallwinde und eine mutmaßliche Windhose, wie Anwohner berichten, verheerende Schäden an, die die Feuerwehren der Stadt Blankenhain und umliegender Ortsteile sowie die Einwohner bis tief in die Nacht auf Trab hielten.
„Es dauerte vielleicht fünf Minuten, es war einfach alles weiß“
Besonders die plötzliche Intensität des Unwetters sorgte bei den Menschen vor Ort für Entsetzen. Anwohner Andreas Dambach schilderte die dramatischen Minuten sichtlich mitgenommen:
„Das ging innerhalb von fünf Minuten. Erst kamen Sturm und Hagel, und plötzlich sahen wir vom Fenster sowas wie eine Windhose direkt bei uns im Hof. Die hat sich einmal so herum gedreht und einmal andersherum. Man hat gar nichts mehr gesehen, es war alles weiß.“
Während bei Familie Dambach glücklicherweise nur einige Dachziegel flogen und Landmaschinen Beschädigungen davontrugen, traf es andere Teile des Dorfes ungleich härter.
Trümmer wie Geschosse: Reithallendach abgedeckt – Tragödie beim Gänsezüchter
Im westlichen Teil von Thangelstedt deckte der plötzliche Sturm Teiles eines Daches einer Reithalle großflächig ab. Die Trümmer – darunter schwere Dach- und Asbestplatten – wurden vom Wind erfasst und wie Geschosse quer über die Dächer, Straßen und Vorgärten des gesamten Ortes geschleudert. Zahlreiche Wohnhausdächer und auch Photovoltaikanlagen wurden von den umherfliegenden Teilen zertrümmert.
Besonders tragisch verlief das Unwetter für eine Gänsefamilie in einem Vorgarten: Die umherfliegenden, scharfkantigen Dachsplitter trafen das Gehege mit voller Wucht. Für 12 der insgesamt 20 Gänse kam jede Hilfe zu spät – sie wurden von den Trümmern getötet.
Spielplatz verwüstet, Stromnetz fällt zum Teil aus und Anfahrt blockiert
Auch das öffentliche Leben kam schlagartig zum Erliegen. Der örtliche Kinderspielplatz glich nach dem Durchzug der Unwetterzelle einem Schlachtfeld: Fast sämtliche Bäume wurden entwurzelt oder mitten entzweigebrochen, die Spielgeräte weitgehend zerstört. Abgerissene Oberleitungen führten zu einem teilweisen Zusammenbruch des Stromnetzes, das vom Netzbetreiber noch im Laufe des Abends unter Hochdruck repariert wurde.
Schon die Anfahrt der alarmierten Feuerwehrkräfte gestaltete sich äußerst schwierig: Mehrere umgestürzte Bäume blockierten die Zufahrtsstraßen nach Thangelstedt, sodass sich die Einsatzkräfte erst den Weg in den Ort freischneiden mussten.
Zusammenhalt im Dorf und geschlossener Kindergarten
Trotz des Schocks zeigte sich noch am selben Abend der enorme Zusammenhalt im Ort. Nachbarn halfen sich spontan gegenseitig beim Aufräumen, Sichern von Dächern und Beseitigen der Trümmerteile. Dennoch wird es dauern, bis in Thangelstedt wieder Normalität einkehrt.
Der örtliche Kindergarten muss am morgigen Dienstag vorsorglich geschlossen bleiben, da das Gebäude und das Dach zunächst von einem Dachdecker auf Sicherheit und Schäden begutachtet werden müssen. Dachdeckerbetriebe aus der gesamten Region dürften in den kommenden Tagen im Dauereinsatz sein, um die zahlreichen beschädigten Dächer im Ort wieder instand zu setzen.

























































