(Blankenhain) Wenn die Faltwand in der Stadtbibliothek Blankenhain beiseitegeschoben wird, um den Raum kurzerhand zu verdoppeln, dann steht etwas Besonderes an. Zum zweiten Mal luden Annette Beyer von der Stadtbibliothek und der Arbeitskreis Stadtgeschichte des Geschichtsvereins zu einem Abend ein, der ganz im Zeichen der heimischen Mundart und Regionalgeschichte stand.

Rekordbesuch und „Bienen-Professoren“

Die Resonanz war überwältigend: Mit rund 55 Plätzen – 15 mehr als bei der Premiere im vergangenen Herbst – war die Bibliothek bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Mittelpunkt des Abends stand der August Ludwig. Der Hochdorfer war weit mehr als nur ein Mundartdichter; als Imker und „Bienen-Professor“ prägte er die Region.

Sven Hauspurg und Frank Jogmin übernahmen den Part, die Texte Ludwigs zum Leben zu erwecken, was ihm laut den begeisterten Reaktionen der Gäste sichtlich gelang. Unterstützung erhielten die Organisatoren zudem von Paula Schmidt, der Blankenhainer Dorfkümmerin.

Fettbrot, Volkslieder und Heimatgefühl

Für den passenden Rahmen sorgte der Blankenhainer Wolfgang Tröber am Keyboard, der den Abend mit traditionellen Volksliedern musikalisch untermalte. Auch kulinarisch blieb man bodenständig und regional: In bester Hochdorfer Tradition gab es für die Gäste Fettbrote mit Gurke.

„Es geht um das Miteinander und das Bewahren unserer Sprache“, so die Intention der Veranstalter. Die lockere Atmosphäre lud in der Pause dazu ein, selbst ins „Schwatzten“ zu kommen und sich über alte Zeiten auszutauschen.

Ein Abend für den guten Zweck

Neben der kulturellen Unterhaltung verfolgte der Abend auch ein konkretes gemeinnütziges Ziel. Die Einnahmen der Veranstaltung sollen dazu verwendet werden, das Grab von Gustav Gutheil wieder herzurichten und somit ein weiteres Stück Blankenhainer Stadtgeschichte zu bewahren. Gutheil war ein deutscher Kapellmeister, Dirigent, Komponist und Musikpädagoge, geboren 1868 in Blankenhain, gestorben 1914 in Weimar.

Nach rund zwei Stunden voller Anekdoten und Gesang verließen die Gäste die Bibliothek mit dem Gefühl, ihrer Heimat ein Stück nähergekommen zu sein. Angesichts des großen Erfolgs scheint eine Fortsetzung der Mundart-Reihe in der Stadtbibliothek nur eine Frage der Zeit zu sein. Fest steht indes bereits, dass Annette Beyer gern einmal im Monat eine derartige Abendveranstaltung in der Blankenhainer Bibliothek umsetzen möchte.