(Kleinlohma) Wer in diesen Tagen den Blick über die Hügelkuppen zwischen Blankenhain und Kleinlohma schweifen lässt, dem fallen sofort die gewaltigen Baustellen ins Auge. Hier entsteht ein moderner Windpark mit acht Anlagen, dessen technische Dimensionen selbst erfahrene Bauexperten zum Staunen bringen. Unter der fachlichen Begleitung von Dipl.-Ing. M. Heußer (ibs heußer ingenieurbüro) wachsen hier Anlagen in den Himmel, die zu den modernsten ihrer Art gehören – doch der Weg dorthin ist ein logistischer Kraftakt.

Technische Superlative in schwindelerregender Höhe

Die nackten Zahlen des Projekts verdeutlichen die monumentalen Ausmaße der neuen Windkraftanlagen:

  • Die Nabenhöhe liegt bei stolzen 163 Metern.
  • Die Rotorblätter messen jeweils 85 Meter Länge.
  • Die Gesamthöhe bis zur Blattspitze beträgt somit gigantische 248 Meter.

Ein solches Gewicht braucht ein unerschütterliches Fundament. Unsichtbar im Boden vergraben liegt eine discusförmige Betonplatte mit einem Durchmesser von 34 Metern und einer Dicke von rund 2,50 Metern. Allein in diesem einen Fundament stecken 900 Kubikmeter Beton und tonnenschwerer Bewehrungsstahl.

Das Geheimnis des Hybridturms: Innere Spannung

Der weithin sichtbare Turm ist eine sogenannte Hybridkonstruktion. Der untere Teil besteht aus vorgefertigten Betonringen, die aufeinandergesetzt werden. Da Beton zwar hervorragend Druck, aber kaum Zugkräfte aufnehmen kann, bedient man sich eines ingenieurstechnischen Kniffs: Im Inneren des Turms verlaufen massive Stahllitzen (Stahlkabel) nach oben. Diese werden über einen mächtigen Adapterring am oberen Ende extrem stark verspannt. Erst diese enorme Vorspannung hält das Bauwerk bei starkem Wind absolut standsicher.

Logistischer Kampf gegen den Thüringer Schlamm

Bevor die Teile überhaupt montiert werden können, müssen sie die Baustelle erreichen – und das war in den vergangenen Wochen die größte Herausforderung. Da die regulären Straßen für die riesigen Schwerlasttransporte ungeeignet sind, wurden extra zwei Behelfswege (Bypässe) über die Felder ab Söllnitz und Niedersynderstedt angelegt.

Als die teils starken Regenfälle in den letzen Wochen die unbefestigten Feldwege zum Teil in eine Schlammlandschaft verwandelten, drohten die tonnenschweren Transporter im weichen Boden zu versinken. Die Speditionen mussten kurzfristig schwere Zughilfen (spezielle Zugmaschinen) anfordern, um die Bauteile der „Maschinenhäuser“ und Rotorblätter im Kriechgang die Hänge hinaufzuschleppen.

Selbst der Aufbau des eigentlichen Hauptkrans war eine logistische Kettenreaktion: Um den riesigen Hauptkran überhaupt montieren zu können, mussten vorab zwei kleinere Hilfskräne aufgebaut werden.

High-Tech im Sekundentakt: Netzanschluss im Expressverfahren

Parallel zum Turmbau läuft der Anschluss an das Stromnetz. Direkt auf dem Areal entsteht das dazugehörige Umspannwerk inklusive eines großen Transformators. Die Thüringer Energienetze (TEN) haben bereits einen provisorischen Hilfsmast gestellt, um den Windstrom direkt in die bestehende 110-kV-Oberleitung einzuspeisen.

Beim Verlegen der Kilometerlangen Kabelstränge von den Windrädern zum Umspannwerk vor Ort setzen die Firmen auf eine hochmoderne Kabelverlegefräse. Diese Maschine arbeitet sich im Expresstempo durch das Gelände: In einem einzigen Arbeitsgang fräst sie den Graben (1,40 Meter tief im freien Feld, 80 Zentimeter tief unter Wegen), bettet die schweren Stromkabel ein, legt das gesetzlich vorgeschriebene Warnband darüber und verschließt den Graben sofort wieder. Das spart enorm viel Zeit und schont den sensiblen Mutterboden.

Wie geht es weiter?

Die Arbeiten laufen trotz der wetterbedingten Verzögerungen auf Hochtouren. Am Mittwoch wurden die ersten Blätter montiert. Dann wird der Spezialkran zum nächsten Windrad umgesetzt und die Arbeiten gehen in der nächsten Woche mit der Montage des Maschinenhauses und der nächsten Rotorblätter weiter, wenn das Wetter mitspielt.