(Bad Berka / Kiliansroda) Kinderlachen, staunende Gesichter und mittendrin ein sichtlich zufriedener Förster: Zum Kindertag am 1. Juni verwandelte sich das Plateau rund um den historischen Carolinenturm auf dem Kötsch in ein riesiges grünes Klassenzimmer. Rund 240 Kinder der Grundschule Bad Berka – eine der größten Grundschule im Weimarer Land – hatten die Schulbank gegen Wanderschuhe getauscht, um einen unvergesslichen Walderlebnistag zum Kindertag zu verbringen.
Organisiert wurde das Projekt von Wolfgang Grade, Revierleiter im Revier Weimar des Forstamtes Bad Berka und Vorsitzender der Kötschberggemeinde. Unterstützt von zahlreichen Stationen ging es für die Kids um weit mehr als nur einen Wandertag – es ging um spielerische Naturvermittlung auf Augenhöhe.
Sechs Kilometer Fußmarsch für den perfekten Frischekick
Bevor das Abenteuer auf dem Kötsch überhaupt losgehen konnte, stand für die Schüler erst einmal eine sportliche Herausforderung an: Der rund sechs Kilometer lange Aufstieg von Bad Berka hinauf zum Carolinenturm wurde komplett zu Fuß absolviert. Pünktlich kurz vor 10:00 Uhr erreichten die Wandergruppen das Plateau, um in ein dreistündiges, prall gefülltes Erlebnisprogramm zu starten.
Dabei ging es Wolfgang Grade von Anfang an nicht um harten Wettbewerb:
„Wir versuchen hier, verschiedene Elemente spielerisch zusammenzuführen. Es geht nicht um Gewinner und Verlierer – Gewinner sind heute alle. Wir wollen den Kindern einfach zeigen, wie vielfältig und schützenswert unser Wald ist.“
Landart, Zapfenlauf und eine lebendige Spirale
An den abwechslungsreichen Stationen konnten die Kinder die Natur mit allen Sinnen begreifen. Neben Klassikern wie Zapfenzielwerfen, dem Überwinden eines fiktiven Moors beim Baumscheibenlauf und einem großen Baumstamm-Puzzle war vor allem ein riesiges Landart-Projekt der absolute Hingucker:
Die Riesen-Spirale: Bereits am Freitag hatte Wolfgang Grade begonnen, eine große Spirale aus unzähligen Baumscheiben auf der Wiese auszulegen. Seitdem wuchs das Kunstwerk dank der Mithilfe von Besuchern und den Schulkindern massiv an.
Kunst zum Mitmachen: Das Beste daran? Die Spirale bleibt bis zum Herbst auf der Wiese liegen. Sie ist ausdrücklich dafür gedacht, von künftigen Wanderern und Besuchern kreativ verändert, erweitert und bespielt zu werden, bevor die Naturmaterialien im Herbst wieder beräumt werden.
Der Wald von morgen: Mischwald statt Borkenkäfer-Sorgen
Zwischen all dem Spaß nutzte der Revierförster die Gelegenheit, den Kindern wichtiges Zukunftswissen zu vermitteln. Am Beispiel von Fichten und Eichen erklärte Grade, warum der Umbau zu einem artenreichen Dauerwald überlebenswichtig ist.
Während die Fichte als Flachwurzler extrem unter der Trockenheit und der Borkenkäferkalamität der letzten Jahre gelitten hat, sichern sich tief wurzelnde Baumarten wie Eichen ihren Platz im Wald von morgen. Auch die Strategien der Bäume zur Fortpflanzung – unterstützt durch tierische Helfer wie das Eichhörnchen oder den Eichelhäher – sorgten bei den jungen Zuhörern für echte Aha-Momente.
Der heimliche Star auf vier Pfoten: Wachtelhund „Puma“
Ein Walderlebnistag ist natürlich nichts ohne tierische Unterstützung. Der absolute Publikumsliebling des Tages war Puma, ein vierjähriger Deutscher Wachtelhund und treuer Jagbegleiter des Försters.
Nachhaltige Waldpädagogik: Das „Stützpünktchen“ in Müllershausen
Der Erlebnistag am Kindertag war keine einmalige Aktion. Bereits vor rund zehn Jahren ins Leben gerufen und nach einer coronabedingten Zwangspause nun erfolgreich wiederbelebt, ist das Projekt fest in der regionalen Forstwirtschaft verankert.
Wer den Wald noch intensiver erleben möchte, findet ganz in der Nähe, am Parkplatz der Waldgaststätte Müllershausen, ein echtes Highlight: das waldpädagogische Stützpünktchen. Dabei handelt es sich um einen liebevoll umgebauten Bauwagen im Stile von Peter Lustigs „Löwenzahn“.
Themen-Rucksäcke: Schulklassen, Gruppen und Familien können sich hier kostenlos verschiedene Entdecker-Rucksäcke zu unterschiedlichen Naturthemen ausleihen.
Wald-Olympiade: Utensilien für Tierweitsprung, Baumscheibenlauf oder Zapfenlauf sind fest im Wagen integriert.
Mietbar: Für einen kleinen Unkostenbeitrag kann der Wagen sogar vom Forstamt für private Kindergeburtstage gemietet werden.
Nach drei ereignisreichen Stunden, die mit einer leckeren Wiener Würstchen-Stärkung für alle Kinder endeten, traten die erschöpften, aber glücklichen Nachwuchs-Förster den Heimweg an. Was bleibt, ist nicht nur die Erinnerung an einen genialen Tag im Grünen, sondern hoffentlich auch ein tieferes Verständnis für den Schutz unserer heimischen Wälder.









