(Nauendorf) Schrillende Sirenen rissen die Einsatzkräfte der Verwaltungsgemeinschaft Kranichfeld am Samstagvormittag mitten in ein herausforderndes Szenario: Gegen 8:20 Uhr löste die Leitstelle Weimarer Land den Alarm aus. Das Stichwort: „Waldbrand unbekannten Ausmaßes in Richtung Michelsberg und Stiefelburg bei Nauendorf“. Was wie ein Ernstfall begann, war der Auftakt zu einer monatelang geplanten Großübung, die rund 70 Retter mobilisierte.
Nauendorf als logistisches Zentrum
Als zentraler Bereitstellungsraum diente der Dorfplatz in Nauendorf. Hier liefen alle Fäden bei Gemeindebrandmeister Christian Schlichting zusammen, der die anrückenden Kräfte koordinierte. Alle sieben örtlichen Feuerwehren der Verwaltungsgemeinschaft – Nauendorf, Tonndorf, Klettbach, Hohenfelden, Kranichfeld, Stedten und Ritterdorf – waren im Einsatz. Unterstützung erhielten sie von der Feuerwehr Bad Berka, die mit ihrem Einsatzleitwagen anrückte und die wichtige Führungsassistenz übernahm.
Die größte Herausforderung des Tages war logistischer Natur: „Wir simulieren einen Brand in Richtung Stiefelburg und bauen eine lange Wegestrecke vom Bach auf“, erklärte Schlichting das Szenario. Um das Löschwasser vom Bachlauf in Nauendorf bis zur simulierten Brandfläche im steilen, schwierigen Gelände zu transportieren, mussten die Kameraden eine über einen Kilometer lange Schlauchleitung quer durch mehrere Abschnitte verlegen. Während ein Großteil der Kräfte mit der Wasserversorgung beschäftigt war, übernahmen zwei Wehren direkt an der Einsatzstelle die Brandbekämpfung.
Vorbereitung auf reale Gefahren und Feuertaufe für den Nachwuchs
Dass diese Übung keine reine Formsache war, betonte der Gemeindebrandmeister mit Blick auf die vergangenen Jahre: „Vor einem Jahr gab es zum Beispiel auf der Saalfelder Höhe diesen großen Waldbrand. So etwas kann auch bei uns jederzeit passieren. Wir müssen uns entsprechend vorbereiten und wollen auch der Bevölkerung zeigen, dass wir handlungsfähig sind.“
Besonders im Fokus stand an diesem Tag die Feuerwehr Nauendorf. Mit ihren 19 aktiven Mitgliedern ist sie zwar die kleinste Wehr der Verwaltungsgemeinschaft, beweist aber eine starke Nachwuchsarbeit. Für drei Jugendliche, die erst im März frisch in die Einsatzabteilung übernommen wurden, war die Großübung die emotionale Feuertaufe im aktiven Dienst. Motivierender Nebeneffekt: Die 14 Mitglieder der Jugendfeuerwehr verfolgten das Geschehen aufmerksam als Zuschauer.
Wenn das Drehbuch von der Realität eingeholt wird
Dass bei Übungen Fehler passieren dürfen, um daraus zu lernen, war den Planern bewusst. Doch gegen 11:05 Uhr wurde die Flexibilität der Retter auf eine ganz andere Probe gestellt, als die Realität den Übungsplan einholte.
Genau in dem Moment, als die Regie einen simulierten Verletzten einspielen wollte, meldete die Leitstelle einen echten Alarm: Am Campingplatz Hohenfelden war ein Baum umgestürzt. Da sich ein Fahrzeug der Feuerwehr Kranichfeld ohnehin einsatzbereit im Bereitstellungsraum befand, lösten sich die Kameraden blitzschnell aus der Übung und übernahmen den realen Auftrag.
Fast zeitgleich kam es zu einer Schrecksekunde in Nauendorf: Ein Kamerad klagte über Kreislaufprobleme. Da laut Drehbuch eigentlich eine Fraktur als Verletzung vorgesehen war, erkannten die Verantwortlichen die Situation schnellstmöglich, trennten Fiktion von Realität und forderten umgehend einen Rettungswagen zur medizinischen Versorgung an.
Nachdem beide realen Zwischenfälle professionell abgearbeitet waren, endete die Großübung in den Mittagsstunden. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Imbiss am Gerätehaus Nauendorf. Dort wurden die wertvollen Erfahrungen des Tages ausgewertet und das wichtige Miteinander der Wehren für künftige Einsätze gestärkt.






































